Archiv für Februar 2011

Gewerkschaften und die Europäisierung der Arbeitsbeziehungen, mit: Felix Stumpf

7. 2. 2011, 18 Uhr, Raum 05B06 (Wilhelm-Röpke-Str. 6, 35032 Marburg):

Mit der Vertiefung der ökonomischen Integration durch den Europäischen Binnenmarkt und die Europäische Währungsunion geraten die europäischen Gewerkschaften in ihrem politischen Kerngeschäft der Tarifpolitik zunehmend unter Druck. Ohne einen EU-weit geltenden verbindlichen rechtlichen Rahmen für Tarifverhandlungen (Europäische Tarifautonomie) sind sie einem andauernden Machtverlust ausgesetzt, durch den sie immer weniger in der Lage sind, eine Begrenzung des Lohnkostenwettbewerbs durchzusetzen.

Um die Handlungsmöglichkeiten der Gewerkschaften auf europäischer Ebene zu stärken, wurde von einer Gruppe von Gewerkschafter_innen und gewerkschaftlich engagierten Wissenschaftler_innen vor einigen Jahren die Initiative Europäische Tarifautonomie (InET) ins Leben gerufen.

Der Ausgangspunkt der Initiative europäische Tarifautonomie ist, dass ein sozialeres Europa weder auf politische noch auf rechtliche Zugeständnisse warten kann und darf. Vielmehr müsste über koordinierte gewerkschaftliche Arbeitskämpfe gemeinsam ein sozialeres Europa von unten durchgesetzt werden. Denn sowohl im Recht wie auch in der Politik fehlt nicht zuletzt ein hinreichender gesellschaftlicher Druck. Im Innern resultiert gesellschaftlicher Druck mit Blick auf das Soziale immer noch zentral von den organisierten Arbeitsbeziehungen. Ein sozialeres Europa ist darum, so die These, auf eine Europäisierung der Arbeitsbeziehungen angewiesen.

Felix Stumpf ist politischer Sekretär der IG Metall mit den Tätigkeitsbereichen Arbeits- und Sozialrecht, Betriebsbetreuung. Außerdem ist er Mitglied der Initiative Europäische Tarifautonomie.